hallo schon wieder!

die DKB hat mir auf den ausdruck meiner unzufriedenheit hin (teil eins und teil zwei) eine e-mail geschrieben. die e-mail kommt vom team beschwerdemanagement und erreichte mich am 20.12.2019. hier ist sie und dazwischen sind meine emotionsausbrüche.


Hallo Hannah Mio Čeburashka,

leider ist seit Ihrer ersten Nachricht an uns sehr viel Zeit vergangen – für diese Verzögerung wollen wir uns gleich zu Anfang in aller Form entschuldigen.

Gleichzeitig ein großes Dankeschön an Sie für Ihren wertvollen Hinweis auf die falsche Ansprache in unseren automatisierten Marketing-E-Mails. Wir wissen, wie herabsetzend, möglicherweise sogar verletzend eine nicht gewünschte Geschlechtsbezeichnung für die angesprochene Person sein kann. Entsprechend alarmiert waren wir, dass wir in unserem Mail-System aktuell offenbar genau diesen Fehler begehen. Das negative Erlebnis, das für Sie daraus entstanden ist, tut uns sehr leid.

gerne. aber bitte nicht lügen. die personen, im kundinnenservice arbeiten sind schätzungsweise zu 90% leute, die binär leben und keinen schimmer von der durchaus politschen natur ihrer vergeschlechtlichenden handlungen haben. das nehme ich nicht übel.

was aber irritierend ist, ist jetzt zu schreiben “wir wissen wie das ist”. nein, das wissen die allermeisten bei der DKB offensichtlich nicht. ich habe da andere erfahrungswerte. ehrlicher wäre etwas along the lines of “wir wussten das nicht, aber jetzt sind wir schlauer”.

dazu möchte ich einen schwank erzählen, der mir gerade einfällt. mich hat genau wegen dieser meiner anfrage eine person von der DKB angerufen, die dann anhand meiner stimmlage glaubte feststellen zu können, welche anrede für mich passend sei. ich war erstmal spontan energetisch geladen, denn das empfand ich als übergriffig. ich fragte “und was wissen sie jetzt über mich was sie vorher nicht wussten?”, woraufhin mein gegenüber deutlich verunsichert zurückruderte. als alarmiertheit habe ich es weniger aufgefasst.

Inzwischen arbeiten wir – auch dank Ihrer Intervention – mit Hochdruck daran, eine konsequent geschlechtsneutrale Formulierung unserer Marketing-E-Mails umzusetzen. Als Fachpersonen wissen Sie ja, dass die etwas unflexible deutsche Sprache ein solches Projekt alles andere als trivial macht. Wir können darum noch nicht genau sagen, wann wir damit fertig sind.

hochdruck 🙂

sprache ist durchaus flexibel. und das sage ich als person mit doktorinnenwürde in linguistik. jetzt kann mir fast nicht mehr widersprochen werden.

das projekt “anrede” ist eigentlich ganz einfach:

[begrüßung] [vorname] [nachname]!

ich frage mich, welche formulierungen sonst noch genderbefreit werden sollen. als fachperson stehe ich gerne zur verfügung! bindet mich gerne in dieses projekt ein. meine email-adresse müsste ja inzwischen DKB-intern wohl bekannt sein.

Leider lässt es sich bis dahin nicht vermeiden, dass unser Mail-System Sie weiterhin genderbinär ansprechen würde. Darum würden wir ab sofort sämtliche Marketing-E-Mails an Sie pausieren, bis die Änderungen umgesetzt sind. Uns ist bewusst, dass das keine schöne Lösung ist und darum nur ein Provisorium sein kann. Ist das für den Moment trotzdem so in Ordnung für Sie?

ja, topp! danke. also das ist jetzt kein drama. meine eigentliche intension war es, durch mein wirken dinge bei der DKB intern aufzurütteln. fragt bitte auch intern bei den leuten, die da arbeiten, ob sie okay mit binärgenderismus sind. ja? ja?

Eine Sache ist uns noch wichtig: Wir wissen, dass große Unternehmen in puncto Gender Sensitivity oft zu Lippenbekenntnissen und hohlen Phrasen neigen. Seien Sie bitte versichert, dass wir bei der DKB das Thema ernst nehmen und nach Kräften daran arbeiten, unsere Prozesse entsprechend anzupassen. Dabei sind wir auch selbst noch am Lernen, und uns und unseren Mitarbeitenden können Fehler passieren. Wir hoffen hier auf Ihre Nachsicht, freuen uns aber auch immer über Hinweise und konstruktive Kritik – wie in diesem Fall.

meine kritik war alles andere als konstruktiv, freue mich aber! die allermeisten personen glauben, die anrede oder das pronomen einer anderen person anhand ihres vornamens, ihres flairs oder anhand körperlicher merkmale erraten zu können. das ist ganz schön grenzwertig, aber normal.

Auch wenn unser Vorstand sich nicht persönlich mit Ihnen austauschen konnte, ist er über den Wortlaut unserer Antwort an Sie informiert und sendet mit uns zusammen

Herzliche Grüße und die besten Wünsche für das neue Jahr.

danke! viele grüße zurück an den vorstand!

wie gesagt stehe ich gerne zur verfügung.

ich hatte eigentlich um einen rückruf gebeten, bekam aber stattdessen diese eher beschwichtigende mail. das ist enttäuschend, aber auch verständlich: keine person möchte freiwillig mit einer wütenden, verletzten, irrationalen, genderverseuchten person wie mir sprechen. sicherlich spielt auch das wissen mithinein, dass das der gesprächsinhalt hier auf dem blog veröffentlicht werden würde, und damit die angst, öffentlich auseinandergenommen zu werden.

die ganze mail hat einige gute ansatzpunkte und einige hohle hochtrabende phrasen. gut finde ich, dass in der mail um verständnis gebeten und versprochen wird, dass die DKB daran arbeitet. auch, dass ich aus dem mailverteiler genommen wurde ist eine nette soziale handlung. ein weitergehender schritt dazu wäre, es den kundinnen leichter zu machen, wegen der anrede mit der DKB in kontakt zu treten. eine rundmail mit dem inhalt “wir sind jetzt sensibel und haben hier jetzt mehrere anreden zur auswahl, welche bevorzugen sie” wäre eine aktion, die sozio-kulturellen hürden für alle beteiligten zu senken und anredenpräferenz zu normalisieren.

außerdem möchte ich der DKB ans herz legen, eine anonyme (wichtig!), interne umfrage zu machen, in der nach genderdingsern gefragt wird. konkret: wie verortest du dich geschlechtlich? wenn du selbst einen signaturtext wählen könntest, was stünde da? [soweit ich weiß steht da entweder “Ihre A. Obermeyer” oder “Ihr A. Obermeyer”. vielleicht ist das aber bereits passé.]

doof finde ich an der mail die vielen hohlen und DKB-zentrischen formulierungen. ich gebe hier einige beispiele und formulierungen, die sich für mich ehrlicher und direkter anfühlen täten.

“wir wollen uns in aller Form entschuldigen” “tut uns leid, dass…”
“Wir wissen, wie herabsetzend, möglicherweise sogar verletzend {…}” “wir haben scheiße gebaut”
“Inzwischen arbeiten wir – auch dank Ihrer Intervention – mit Hochdruck daran” “danke für ihre hilfe, wir arbeiten daran”
“etwas unflexible deutsche Sprache ein solches Projekt alles andere als trivial macht” “wir haben schwierigkeiten damit”
“Wir hoffen hier auf Ihre Nachsicht” [ich habe leider keine andere wahl als nachsichtig zu sein…]
“unser Vorstand sich nicht persönlich mit Ihnen austauschen konnte” “der vorstand hat sich dagegen entschieden, mit ihnen in kontakt zu treten” [verständlicherweise]
“Wir können darum noch nicht genau sagen, wann wir damit fertig sind. “ “wir halten sie auf dem laufenden”

ok. damit sage ich danke für die rückmeldung!