im tagblatt (tagblatt.ch/) gibt es einen artikel (veröffentlicht am 13.02.2019) über gendersensibles sprechen. der artikel beleuchtet verschiedene reaktionen auf hannovers einführung von gendersensiblen schreibweisen in der offiziellen kommunikation. der artikel versteht sich im grunde als neutral, ist aber leider in binär anmutenden rahmenbedingungen angesiedelt: “die einen gegen die anderen”. zwar positioniert sich der artikel nicht direkt, welcher seite er sich als zugehörig zählt, macht aber unterschwellig deutlich, welche seite die eher gute, und welche die eher schlechte ist. und dass die fronten verhärtet sind und dass alles so ein kampf ist und diese seltsam verkrampfte masche eben.

wir haben uns erlaubt, den anfang des artikels zu copypasten und ihn zu übersetzen. “übersetzen” meint hier: das geschriebene zu glätten mit hinsicht auf gut_böse, geschickt zu gendern und, ganz wichtig, zweigeschlechtlichkeit als eine mögliche von vielen geschlechterkonstellationen herzustellen.

originalartikel miöbersetzung

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Geschlechtsneutrale Sprache: Wie ein Sternchen die Diskussion neu entfacht

Geschlechtssensibles Sprechen: Ein Sternchen und dessen Konsequenzen
Der Kampf um politisch korrekte Sprache geht in die nächste Runde. Die Bitte um respektvolles und achtsames Sprechen wird neu formuliert.
Menschen, die sich weder als Frau oder Mann fühlen, sollen durch Sternchen sichtbar werden. Das Sternchen erinnert Personen in einer zweigeschlechtlichen Kultur an die geschlechtliche Vielfalt.
Hannover versetzt unsere Nachbarn in helle Aufregung. Hannover probiert mutig etwas ganz neues.
Der Grund: Die norddeutsche Stadt hat ihren Beamten geschlechtsneutrale Sprache verordnet. Hannover hat in der Kommunikation ein gendersensibles Sprechen und Schreiben eingeführt.
Offizielle Briefe beginnen nun mit «Guten Tag» oder «Liebe Gäste». Offizielle Briefe beginnen nun mit «Guten Tag» oder «Liebe Gäste».
Angesprochen wird die Bevölkerung nicht mehr mit «Herr und Frau Schulz», sondern geschlechtsneutral mit «Anita und Konrad Schulz». Personen werden nicht mehr zweigeschlechtlich (als «Frau» oder «Herr») angeschrieben, sondern einfach als «Anita und Konrad Schulz».
Das Rednerpult verschwindet aus offiziellen Texten und wird durch die Wortschöpfung Redepult ersetzt. Das Wort “Rednerpult” ruft genderistisch konnotierte Bilder auf. Deswegen wurde es in offiziellen Texten durch “Redepult” ersetzt.
Mit den neuen Schreibweisen soll die Diskriminierung von Menschen verhindert werden, die sich keinem oder nicht dem ihnen nach der Geburt zugeschrieben Geschlecht zugehörig fühlen. Die neuen Sprech- und Schreibweisen machen darauf aufmerksam, dass Personen, die sich außerhalb einer endo-cis-normativen Zweigeschlechtlichkeit verorten, Diskriminierung ausgesetzt sind; z.B. in Form von Pathologisierung und gesellschaftlicher ent_Rückung. Sie sind außerdem der Ignoranz der Allgemeinheit ausgesetzt und befinden sich dadurch viel öfter in Situationen wieder, in denen ihre geschlechtlichkeit thematisiert wird, ohne dass sie es wollen.
Neu verwenden Hannoveraner Beamte darum auch Schreibweisen wie «Kolleg*innen». «Kolleg*innen» ist eine mögliche Schreibweise, die auf diese Diskriminierung aufmerksam macht.
Dieses Gender-Sternchen, das zwischen der männlichen Form und der weiblichen Endung des Wortes angebracht wird, soll möglichst alle Identitätsvarianten ansprechen. Das Sternchen zwischen dem männlich konnotierten Wortstamm und der weiblich konnitierten Endung erinnert an die geschlechtliche Vielfalt.
Das Sternchen stammt aus der Programmiersprache und steht dort für alle denkbaren Variationen. Das Sternchen stammt aus der Informationstechnik und ist dort so etwas wie ein Joker.
Die neuen Sprachregeln führten in Deutschland zu einem medialen ­Aufschrei. Das mediale Echo dieser neuen Sprechweisen war groß.
«Gender-Gaga» titelte die «Bild»-Zeitung. «Gender-Gaga» titelte die «Bild»-Zeitung.
Kommentatoren warnen vor einer Verschandelung der Sprache. Einige Personen sehen das als “Verschandelung der Sprache”.
Andere begrüssten die neuen Regeln als vorbildlich und empfehlen sie zur Nachahmung. Andere Personen empfinden diese Vorschläge als vorbildlich und empfehlenswert.
Pause mitten im Wort {überschrift}
Geschlechtsneutrale Schreibweisen werden auch in der Schweiz erprobt. Auch in der Schweiz sprechen viele Personen gendersensibel.
Am weitesten gehen dabei die Universitäten. Die Universitäten sind dabei am mutigsten.
Wenn Christa Binswanger an der Universität St. Gallen eine Vorlesung hält, spricht sie von «Student_innen». Christa Binswanger hält an der Universität St. Gallen Vorlesungen und spricht dann von «Student_innen».
An der Stelle, wo im Text der Gender-Gap kommt, macht sie eine kurze Pause. An der Stelle, wo im Text der Gender-Gap kommt, macht Christa Binswanger eine kurze Pause.
Binswanger akzeptiert zudem nicht, wenn Arbeiten in der männlichen Form verfasst werden. Christa Binswanger sieht es außerdem ungerne, wenn Arbeiten androgendernd, also durchweg in der männlichen Form, geschrieben werden.
Auch eine Fussnote mit der Erklärung, dass die Frauen selbstverständlich mitgemeint seien, reicht ihr nicht. Eine Fußnote, die erklärt, dass nicht nur männliche, sondern natürlich alle Personen gemeint seien, reicht nicht.
«Da es zum Inhalt meiner Kurse gehört, für Ungleichheit und Ent­nennung zu sensibilisieren, gehört die sprachliche Umsetzung des Gelernten zum Lernziel», sagt die Leiterin des Fachbereichs Gender und Diversity. «Da es zum Inhalt meiner Kurse gehört, für Ungleichheit und Entnennung zu sensibilisieren, gehört die sprachliche Umsetzung des Gelernten zum Lernziel», sagt die Leitung des Fachbereichs Gender und Diversity.
Wegen dieser Haltung musste Binswanger Kritik einstecken. Christa Binswangers Aussagen sorgen bei manchen für Verstimmung.
Die NZZ schrieb, sie vergebe «Gesinnungsnoten». Die NZZ schrieb, Christa Binswanger vergebe «Gesinnungsnoten».
Binswanger wehrt sich. Christa Binswanger sieht das anders.
In der Praxis habe sie wegen nicht gendergerechter Formulierungen noch nie Notenabzug geben müssen. In der Praxis habe es wegen nicht gender-inklusiven Formulierungen noch nie Notenabzug gegeben.
[…]
Der Unterstrich soll – wie das Sternchen – Menschen einschliessen, die sich nicht als Frau oder Mann identifizieren. Der Unterstrich macht auf den Raum zwischen und um Zweigeschlechtlichkeit herum aufmerksam.
Bei der Ansprache solle man zudem auf «Sehr geehrte Damen und Herren» verzichten und geschlechtsneutrale Begriffe wie «Publikum» ­verwenden. Beim Ansprechen wird vorgeschlagen, auf zweigeschlechtlich besetzte Anreden zu verzichten und Begriffe wie “Publikum” zu nehmen, die eine eventuelle Geschlechtlichkeit nicht relevant machen.
[bis hier]

weitere anregungen zum übersetzen von texten, die aus einer binärgenderistischen kultur stammen, gibt es im buch exit gender von lann hornscheidt und lio oppenländer, erschienen bei w_orten&meer.