… besteht aus hierarchien die sich ihrer macht nicht bewusst sind. hierarchien von identitäten, die erst in bezug aufeinander auftreten. individualismus der sich einzig definiert über die überschneidungsmenge von sozio-kulturellen kategorien, die gegenseitig zu- und abgesprochen werden. dahinter ist gähnende leere, angst vor langeweile, permanente frustation und unzufriedenheit mit sich und anderen.

beschreibungshierarchien.

der feste glaube daran, dinge absolut wissen zu können, ist macht. kolonialmacht. geschlechtermacht. nationalmacht. befestigte grenzen zwischen einflussbereichen und sozialen kategorien. ver_rückungsmacht. die macht, nach belieben diagnostizieren zu dürfen. die macht, wissen über ver_anderte personengruppen produzieren zu dürfen, die erst durch die ver_anderung wahrgenommen werden.

es bezieht sich alles auf einen punkt, ein ideal, ein protoyp. was für eine person denkst du schreibt diesen text? kann diese person auf zwei beinen gehen? kann sie hören? wird sie als weiblich, männlich oder gar homosexuell eingelesen? was ist ihre erstsprache? wenn du mich nicht persönlich kennst, weißt du das alles nicht, denn ich könnte dir hier alles verklickern. aber du hast annahmen darüber. was genau sind diese annahmen? was machen sie mit deiner wahrnehmung über diesen text?

die rechte, die eine person hat, hängt unweigerlich mit dem status zusammen, die ihr zugeschrieben wird. der wirkungsbereich einer person hängt davon ab, wie frei sie sich äußern traut_darf. es gibt eine fast schon absichtlich erscheinende ent_wahrgenommene grundkomponente im zwischenpersönlichen umgang, in denen personen sich gegenseitig und sich selbst unterschiedliche äußerungs_bewegungsfreiräume zu- und absprechen. das zu- und absprechen von freiräumen kommt oftmals einer wertung gleich, die ebenfalls ent_wahrgenommen wird.

un_glücklichsein.

dieser machtapparat ist größtenteils unsichtbar, da personen bewusst wie unbewusst ihren selbstwert auf den status gründen, der ihnen zugeschrieben wird und für dessen beibehaltung oder erhöhung sie energie und zeit verwenden. es ist ein gemeinsames und wechselseitiges wettrennen, das nie ein ende hat: es wettrennt um die beste, längste romantische beziehung. es wettrennt um den besten job. es wettrennt um die beste gesundheit. es wettrennt, eine person zu sein die ihre zugeschriebenen sozialen kategorien gut repräsentiert.

die kultur, aus der ich gewachsen bin, erlaubt es personen nicht, grundlos mit sich zufrieden zu sein. oder sich einfach so ohne genehmigung glücklich zu fühlen. solange ich mich anstrenge, als vollwertiges mitglied angesehen zu werden, befinde ich mich in einem permanenten zustand der frustration, des verkrampftseins, des mich-beobachtet-fühlens und der angst davor, dass andere meine person als etwas herstellen, das nicht meiner präferenz entspricht. das alles kulminiert in einem omnipräsenten gefühl des schlechten gewissens und einer inneren leere, weil ich insgeheim weiß, dass ich nur so tu, dass ich performe für den zuspruch. ich weiß, dass das nicht “meine art” ist, dass ich es eigentlich anders tun wollen würde, wenn ich nur könnte, denn mir sind die hände gebunden. diese kultur hat mir bis dato keinen anderen weg aufgezeigt, mich selbst anders zu begreifen als mit hilfe von (insgeheim hierarchisierenden) sozialen kategorisierungen.

um als normal zu gelten, muss ich einen namen sagen, wenn ich gefragt werde, wie ich heiße. wird der name als ungewöhnlich klassifiziert, wird gefragt woher der name kommt und ob es mein “echter” name sei. diese forderung nach “echtheit” im sinne von “offiziell/amtlich/wissenschaftlich/medizinisch bestätigt” ist programmatisch für diese kultur. sie ist der kernpunkt von medienrummel und wissenschaftlichem diskurs.

die art und weise, die welt als absolut beschreibbar zu verstehen, kann befreiend sein. der gedanke, dass es eines tages eine superformel geben wird, die die welt erklärt, ist beruhigend. aber dieser gedankengang schwappt über zur beschreibung, diagnostizierung, ver_rücktmachung, ver_anderung, rassifizierung, vergeschlechtlichung, be_Hindertmachung, von personen und teilt die welt ein in “normal/unauffällig/angepasst” und “alles andere”. sowohl von staatlicher_offizieller seite als auch bei begegnungen im alltag.

einordnungsdrang.

dinge einordnen. personen einordnen. es ist etwas, von dem ratifizierte mitglieder dieser kultur nicht ablassen können. schubladendrang, einordnungssucht. es fühlt sich etwa an wie das eigene zimmer aufräumen. ist es aufgeräumt, fühle ich mich wohl. ist es ein tohuwabohu, gucke ich dumm aus der wäsche, die überall herumliegt. schnell alle dinge dahin, wo sie hingehören. kellen und pfannen nicht ins bad, sondern in die küche. socken und unterwäsche nicht in den kühlschrank (und schon gar nicht auf den boden), sondern ins socken- und unterwäschefach, gut versteckt neben dem silikonphallus. als verzweigeschlechtliche person, nicht auf die falsche toilette, sondern mitreden bei binärer gleichstellung. als frauisierte person nicht in die chefetage, sondern hinter den herd (der hoffentlich auch in der küche steht). als obdachlos eingeordnete personen nicht ins restaurant, sondern in die gosse. als menschliches tier nicht in den döner, sondern in den döner beißen. als unterdrückte, marginalisierte, diskriminierte, zurichtung internalisierte person nicht aufmucken, nicht den mund aufmachen, sondern als übersensibel, emotional, wehleidig, depressiv, krank, persönlichkeitsgestört bezeichnet werden.

du bleibst wo du bist, in deinem fach, in deiner kiste, schublade, box, so klein sie auch ist, du musst da drin bleiben, sodass ich in meiner beschreibungs-autonomie nicht gestört werde. man wird ja wohl noch was sagen dürfen. ich will doch einfach nur ungestört mein zimmer aufräumen, weil ich es nicht anders gewohnt bin.

selbstdarstellung-durch-ver_anderungs-drang.

andere personen als grundlegend verschieden zu sich selbst zu betrachten, hat geschichte in dieser kultur. aber es muss verstanden werden, dass die kolonialisierung, unterdrückung, tötung, versklavung von personen keineswegs böswillig war. es war normalität. es gab keinen anderen bezugsrahmen. heute gibt es einen geschichtlichen bezugsrahmen, in dem wir sagen können, dass es moralisch nicht okay ist, menschliche sklaven ohne deren einwilligung zu halten. und dass adolf hitler die ausgeburt des bösen war, von der alle neonazis genetisch abstammen. wie auch honecker, ceaucescu, mussolini und konsorten, die heute als böse_unmoralisch hergestellt werden können. sie sind die sprichwörtlichen ani im wandschrank, die immer dann herausgezogen werden, wenn ich ordentlich gegen das böse austeilen möchte wenn ich das bedürfnis habe, mich als gut_person darzustellen. manche personen wollen dabei so gut und barmherzig sein, dass sie sogar marginalisierten personen helfen. ganz nach dem motto: “hallo du arme person, ich weiß dass du es schwer hast wegen den vielen nazis und sonst untoleranten personen die hier so rumlaufen, aber ich bin anders. ich bin tolerant! du kannst mir vertrauen! ich beschütz dich!” wie unheimlich verquirlt diese aussage ist, fällt dabei nicht auf. es fällt einer person, die obige aussage tätigt, nicht auf dass ihre aussage keine einfache beschreibung von tatsachen (TM) ist, sondern ein sprachhandeln. ein sprachhandeln, das die sprachhandelnde gut_person als gut im gedachten gut_böse-spektrum verortet auf kosten des gegenübers, das als schutzbedürftig, in gefahr und grundsätzlich anders objektifiziert, indem es ein gemeinsames feindbild propagiert.

also ich finde das eklig.

solange der historische bezugsrahmen aufrecht erhalten wird, habe ich, als beschreibende instanz, eine weiße weste. dieses konstruierte “ich” ist selbstverständlich nie böswillig. es war damals wie heute normalität, immer den bezugsrahmen zu wählen, der das “ich” als neutral herstellt. so ist und bleibt eine kultur, die von genderismus durchdrungen ist, nachhaltig genderistisch, weil es gender “eben einfach gibt”; mit hinweis auf die biologie, die es auch gebe weil sie die natur lediglich beschreibe. genderistisches gedankengut macht aber keinen halt vor der erzwungenen genitalen anpassung von sehr jungen personen, die von all dem genderwahn keinen schimmer haben und deren integrität über den eigenen körper übergangen wird. so bleibt eine kultur nachhaltig rassistisch, weil “ich keinen unterschied mache zwischen hautfarben (also gibt es das problem nicht)”. so bleibt eine kultur nachhaltig unbeweglich und frustriert, weil die personen, die sich ihr zugehörig fühlen (wollen), darauf beharren müssen, dass sie sich gegenseitig beschreiben und sich identitäten zu- oder absprechen dürfen. wo kämen wir hin, wenn alle personen frei schnauze ihre schubladen frei wählen könnten?

grenzenbefestigen.

aber wo kommen wir eigentlich hin, wenn alles beschrieben und einsortiert ist? wenn wir fertig sind mit zimmeraufäumen? können wir dann endlich spielen gehen? nein, weil dann die ganze welt einsortiert ist und sich nicht mehr bewegen kann. weil auch das spielen einsortiert werden muss in einen rahmen des ernsten, des “echten”. weil ich selbst auch zerpfückt und eingeteilt bin. dann kann ich nicht mehr spielen, dann hab ich alle hände voll damit zu tun, dass die einteilungen erhalten bleiben. dass die grenzen sowohl klar als auch befestigt bleiben. frontex macht den ganzen tag nichts anderes.

der kern des allbeschreibenden proto-ichs ist leer. ein gefühl der inneren leere und_oder gefühle von hilflosigkeit und ausgeliefertsein existieren zusammen mit dem proto-ich, müssen aber permanent weggedrückt werden. da das proto-ich mit identitätspolitiken arbeitet, werden diagnostizierungen als depressiv oder anderweitig gestört ironischerweise in das selbstbild eingearbeitet. medizinische_psychiatrische diagnosen als falsch abzulehnen käme gleich damit, sich selbst abzulehnen, da außerhalb des proto-ichs kein anderer bezugsrahmen wahrgenommen wird als die zuschreibung von eigenschaften und damit status.

gedankendiskurse, die im obigen sinne abgenzungs-behaftet sind, sich nicht verändern. alle diskurse mit allen anderen person, so vielschichtig und divers das auch sein mag, prallen letztenendes immer an die wand der ich-verlust-angst. der kern der kultur, in der hierarchisierte identitätspolitiken insgeheim die härteste währung sind, ist leer.


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