PROLOG

es gab staub im zimmer. hier und da hörte ich geräusche von menschen, die die treppe rauf und runter gingen. es gab kein anhalten. es gab keine pause. die autos fuhren alleine auf der straße herum. im garten wuchsen bäume. tannenbäume, kirschbäume, birnenbäume. alle für sich, und ganz allein. sie waren wie einzelstehende, isolierte, abgetrennte objekte, die im luftleeren raum schwebten.

mein zimmer war auch luftleer. es war stickig vor mief und druck und unendlicher ungelüftetheit. ich war es gewohnt, täglich darin zu ersticken. immer mal wieder flogen legosteine und bücher durch die luft. ganz von alleine. die personen um mich herum sagten, dass ich sie mutwillig geworfen hätte, aber dem war nicht so. dem war ganz und gar nicht so.

gerecht war das zimmer nicht. es war recht eckig. der staub und müll, den ich und andere fortwährend unter den teppich kehrten, hat kleine hügel unter die flicken gezaubert. die sonne schien ab und an und beleuchtete die tapete, die sonst nicht beachtet wurde. sommermonate hatten den glanz von ungehobeltem holz und den geruch von alkoholfreiem, abgestandenem bier. ein schluck davon und ich erinnerte mich daran, wie es wohl gewesen sein würde, wenn ich erwachsen geworden wäre. in den ritzen der wand sammelte sich abgeriebener schaumstoff von matratzen, auf denen geschlafen werden sollte. bettzeit hieß es. zu dieser ganz bestimmten zeit, die nur personen verstanden, die wie magie die uhrzeit aus blauem himmel heraus ablesen konnten.

die stufen nach oben auf das dachgeschoss knarrten. die dachschräge hing bedrohlich tief und hatte erfrischenderweise keine tapete. die decke hing hoch, und, auf die leiter geklettert, eröffete sich von ganz oben ein anblick mit dem geschmack von sicherheit und macht; und angst vor dem fall. da oben, dachte ich, kann ich so tun als wäre ich sicher. in sicherheit mit meiner eigenen angst, runterzufallen. die eigene angst davor, dass der wunsch existiert, da runterfallen zu wollen, aus eigenem antrieb, als zauberhafter wunschtraum, nicht mehr daran denken zu müssen, ob ich nun sicher oder unsicher, verängstigt oder ok bin. einfach das fallen und die angst davor. kein du, kein ich. kein oben, kein unten. keine staubhügel, keine treppengeräusche und auch keine vereinsamten objekte, schon gar keine legosteine die wie von zauberhand an die wand prallen.

FUSSBODEN

dort lag die person. auf dem billigsten teppichfußboden, den es im baumarkt zu dieser zeit gab, um wenigstens ein bisschen das gefühl zu haben, etwas für ein gepflegtes häusliches eigenempfinden getan zu haben. braungrau und staubig. die wand war weiß, draußen war nichts, denn es war dunkel. fledermäuse waren es, oder vielleicht ähnlich große insektoide entitäten, die dort rumschwirrten. ganz vielleicht, hoffte ich, war es der kleine vampir, die behutsam flugpulver auf ihren umhang streute und dann zusammen mit den anderen unbekannten flügligen ahnungsvoll die nacht streifte.

morgen schule. wieder dieses spiel. alle anderen wissen, was sache ist. sie kennen sich aus, finden immer das richtige zimmer, sind stark und bestärkt. ich weiß das nicht. ich kann das nicht. ich laufe hilflos herum. ich brauche andere leute brauche ich nicht. sie sind mir ein hilfsübel. sie schicken mich weg, wenn ich einfach bin. sie lassen mich wieder herein, wenn ich aufgehört habe, ich zu sein. anstrengung und wohlwollender zwang liegen hinter jeder biegung der räumlichkeiten, durch die so viele andere gehen, die alle wissen wohin, die alle wissen woher, die irgendwie den durchcheck haben. warum bin ich so? warum kann ich nicht anders sein? gelblicher putz folgt der gravitation gen boden. dieses öde spiel mit mir selbst.

die person lag immer noch da. auf diesem billigsten aller teppichböden. sie wartete wehmütig darauf, aufgesammelt zu werden. es war ein ritual und ein spiel um aufmerksamkeit. die erwachsenen saßen still im wohnzimmer zusammengedrahtet mit dem wortstarken fernsehgerät, das inzwischen farbe hatte. die person war überzeugt davon, dass sie tot war. dennoch klopfte sie mit der ferse gegen die weiße wand. es strömten menschen heraus aus dem wohnzimmer. sie waren blass und unterernährt; sie litten an liebesmangel. mangel an wertschätzung für die eigene existenz, dafür was sie taten, wie sie ihre zeit verbrachten und mit wem oder was. inzwischen war ihnen vieles gleichungültig und eine spitze last. ihre augen schauten beständig glasig durch das offensichtliche, allgegenwärtige hindurch. die magie und zauberei des alltäglichen, die kleinen muster auf den badezimmerkacheln, die geräusche der tannen im wind und das sausen der unbekannten flüglinge in der nacht waren ihnen unbekannt geworden.

eine spielerisch anmutende, vor lauter zugewandtheit abgewandte stimme blitzte durch die luft, da wo die person auf dem teppichfußboden lag. sie sagte etwas. aber die person auf dem boden hatte schmerzlich begriffen, dass bäume und sträucher alle für sich ganz alleine wachsen, aber legosteine niemals von alleine durch die luft fliegen. die stimme sagte etwas in sich und für sich in der liebverlorenen liebsuchenden lieblosigkeit, die vor liebe nur so strotzte. aufgeblasene herzförmige luftballongs, voll und prall von heißer luft.

FCKW war schuld am ozonloch. aber wir brauchen doch ozon. also muss jetzt schluss sein mit haarspray und altertümlichen kühlschränken. der musste also raus. hinterrücks ließ ich den kopf an die tischplatte knallen, um die abgewandtheit wenigstens als spiel, als ritual und als heimliche sucht in zugewandtheit umzuwandeln. nur für den moment, nur ganz kurz. FCKW hält den mittelfinger hoch und sagt, dass es nicht schuld sei am o-loch. die person liegt auf dem boden, stellt sich tot und sagt, dass sie nicht schuld daran ist, dass sie ständig diese heißluftgefüllten herzförmigen luftballongs aufessen möchte, obwohl sie doch irgendwo ganz tief verwurzelt weiß, wo der hammer hängt und wer ihn immer in der hosentasche mit sich herumträgt. trägheit liegt auf teppichboden. angewidert von der verworrenen spielsamkeit im selbstgebauten labyrinth der verknoteten empfindungen. die person wird zeitsparend-liebevoll aufgesammelt und zurück in mein zimmer geschleppt, wo bett und decke und tapete bereitstehen, einzubetten, zuzudecken und den gelben putz schönzutapezieren. einen deckel darauf zu setzen, schwamm drüber und drunter, noch etwas staub unter den teppich pusten, bettzeit sei schon längst vorbei, das sage die uhr, die ich nicht lesen kann, morgen sei auch noch ein tag, gute nacht.

wohlbesonnen und ausgerupft troft leim von den wänden. die decke hat flecken, und das muster ist sehr beschaulich. mein gewissen hat flecken. die existenz als verlogene gestalt ist normalität, und die lügenmuster sind sehr beschaulich. es klebt vor sich selbst zermarternder egomanie, die tropft und ausgerupft sich wohlbesonnen zeigt.