…. und das sind meine Gedanken.

Untertitel als Fließtext:

Neulich war ich draußen unterwegs auf dem Weg zum Supermarkt. Als ich nach oben schaute, sah ich eine Person im Himmel fliegen. Sie kam vom 5.Stock eines Wohngebäudes. Ich dachte zuerst es sei eine Performance.
Aber es war kein Bungee-Jump. Da war kein Seil angebracht. In dem Moment hab ich gemerkt, dass die Person im Begriff ist, zu sterben.

Ich war Zeugin, wie diese Person in den Tod stürzt. Das war ein Schock. Ungefähr 200 Meter vor mir auf den Weg knallte die Person auf den Asphalt. Sie ist sicherlich tot, dachte ich mir. Ich hab geweint und geweint. Das schreckliche ist, dass ich nichts tun kann. Nichts machen zu können, das ist schmerzhaft.

Wann ist diese Person eigentlich gestorben? Als sie 2, 3 Sekunden lang in der Luft war? Als sie auf dem Asphalt aufkam? Oder danach? Oder vielleicht als die Person beschlossen hat, dass sie an dem Tag springt? Solche Gedanken kreisen wie in einem Gedankenriesenrad immer im Kreis. Ich habe darauf keine Antwort. Aber solche Gedanken kommen einfach aus mir heraus, durch dieses Ereignis.

“Dank dieser Erfahrung” wäre komisch zu sagen. Vielleicht eher “durch diese Erfahrung”, habe ich Menschen in der Nachbarschaft kennengelernt. Als ich weinte, kam eine liebe Person. Sie legte die Hand auf meine Schluter und fragte mich ob ich okay bin. Sie blieb die ganze Zeit bei mir. Und sie hat mich eine Herzenswärme spüren lassen.

Am Ende saßen wir zu dritt draßen und sie fragten ob wir zusammen trinken wollen. Sie boten mir Tabak und Essen an. Wir sprachen über die Welt, über Suizid und es waren alles tiefe Gespräche. Deswegen bin ich froh, dass wir uns an diesem Tag kennengelernt haben. Weil irgendwie ist der Tod und Suizid unreiner, dreckiger Gesprächsstoff sind.

Leute sprechen darüber nicht gerne und ziehen auch ungern in Erwägung, dass dieses Konzept existiert. Aber wenn vor Deinen Augen eine Person stirbt, oder wenn Deine Eltern sterben, sagen wir sie haben noch so 15-20 Jahre vor sich, wenn Du an den Tod denkst, dann beginnst Du über manche Dinge nachzudenken.

Was soll ich hier eigentlich in diesem Leben? Wohin mit meiner Lebenszeit? Alles wird leer und bedeutungslos. In einem guten Sinne leer und bedeutungslos. Du fühlst die Vergänglichkeit und das grundsätzliche Fehlen von Bedeutung. Weder im guten noch im schlechten. Es gibt einfach keine festgelegte Bedeutung.

Das Leben kommt nirgends her und geht auch nirgends hin. Ich bin schließlich nicht aus meinem eigene Willen heraus entstanden. Du kannst nicht für Dich bestimmen “Ab jetzt existiere ich.” Das wäre ein Widerspruch. Wenn Du Dich zu Deiner Existenz entschlossen hättest, wer ist dann die Person, die das beschlossen hat? Könnte ich einwenden. Es ist also nicht möglich, den Beginn der eigenen Existenz festzulegen.

Genauso kommen wir und unsere Existenz aus einem Mysterium, wir leben in einem Myterium und wir sterben in einem Mysterium. Ohne Bedeutung. Ohne Sinn. Aber dadruch eben reich an Sinn.

Das habe ich also erlebt und gedacht. Was schwerwiegend schwer zu begreifen ist, ist die Geburt. Oder, wie ein Individuum zu stande kommt, wenn es Namen bekommt, einen Character. Dann ist der Zustand “Du bist Du” erreicht. Egal, was passiert, Du bist immer Du. Auch wenn Du Deinen Namen änderst, umziehst oder eine andere Sprache sprichst. Ganz gleich, Du bist immer Du, und ich kann Dich nur als “Du” wahrnehmen.

Trotzdem stellt sich die Frage: Gibt es grundsätzlich einen Sinn des Existierens? Und was ist der Unterschied zwischen geboren werden und sterben? Ich frage mich das und die Schlussfolgerung ist: “Es gibt keine.” Leben und Tod sind unerheblich. Auch wenn ich mich dazu entschließe, zu sterben, dann gehen das Leben von anderen und die Bewegung der Welt einfach so weiter, als wäre nichts gewesen. Die Menschen, die ich kannte, werden irgendwann auch sterben und andere Menschen werden geboren.

Und schließlich, in Zig-Billionen Jahren wird die Sonne sich aufblähen und die Erde verschlucken. So die Prognose. Dann stirbt die Menschheit aus. Wenn sie ausstirbt, dann wird es so sein, als hätte es sie nie gegeben. Als hätte es nie Leben gegeben in diesem Winkel des Universums. Es wird keine Anzeichen geben von Menschheit und Lebewesen.

Die Welt entstanden ohne Anfangspunkt, wie in einem Myterium leben dort Wesen,
und genau auf solche myteriöse Weise wird die Welt auch verschwinden. Da ist kein Zweifel und nichts Unnatürliches. “Das Kennenlernen ist der Beginn des Abschieds” ist ganz klar der Fall.