Cazzo Mio ist italienisch und bedeutet so viel wie “Mein Schwanz”, im genitalen Sinne.

Es braucht immer etwas Mut, um etwas zu tun, wofür ich mich schäme. Dazu gehört beispielsweise, meine genitale Aktivität öffentlich zu machen. Wenn Menschen über sich sprechen, dann sprechen sie grundsätzlich davon, wer sie sind, von ihrer Persona, die sie im sozialen Miteinander spielen. Davon ausgenommen ist orgasmische Körperelichkeit. Davon spreche ich nur in ganz bestimmten Situation, wenn ich mich sicher fühle; wenn ich denke, dass mein Gegenüber nichts dagegen hat, wenn ich auspacke über meine Intimzone und wie ich sie behandle.

Das ganze Geschäme und Geleugne von Körperlichkeiten, die wir lieber hinter gut verriegelten Türen tun, erledigen, uns daran ergötzen und durch die wir kommen, wird umgangen, indem ich sie übersetze. Die Hände spielen Klavier als genitale Aktivität. Gleitgel und Latex kommen übertragen zum Einsatz, auch wenn sie nicht explizit benannt werden. Zensur ist nicht notwendig, wenn genital-orgasmische Aktivität so verpackt ist, dass ein Happy End zwischen den Zeilen erfolgt.

Mit diesem Stück übersetze ich eine pornographische Videoaufnahme aus Eigenproduktion in Improvisationsklaviermusik. Die Aufnahme dient dabei als Notenblatt, von dem ich ablese und musisch kommentiere, was gerade zu sehen ist. Die resultierende Musik ist nicht die Hintergrundmusik zum Porno, sondern sie ist der Porno selbst. Das Klavierspielen passiert in natürlicher Weise und gleichzeitig mit den Vorgängen des Genitalspielens. Jedes Hoch und Tief, jedes Schnell und Langsam, jedes Rau und Weich können auf diese Weise erfahren werden, ohne dabei jemals den Eindruck zu haben, pornographisches Material zu konsumieren.