Zwei notwendige neue Wörter
Sprachen sind flexibel wie Götterspeise. Alte Wörter gehen und neue kommen standig hinzu. Manchmal passiert der Wechsel selbstständig, durch eine unsichbare Hand, manchmal wird er durch Kampanien oder Aufrufe herbeigeführt.
Dies ist so ein Aufruf. Zu neuen Wörtern, von denen ich zuvor nicht gedacht habe, dass die notwendig wären. Hier sind sie:
Stusserei
Stusserei ist eine tätigkeitsweise Ansammlung von Stuss, also von Unsinn, Unfug, Faxen und sonstigem Geblödele. Der Ursprung des Wortes ist in der hebräischen Sprache zu finden, im Worte שטות šṭut “Unsinn”, welches auf Jiddisch genauso geschrieben, aber wie “Stuss” ausgesprochen wird. Dazu kommt die produktive Endung ערײַ eray, die es auch auf deutsch gibt (-erei), und ein unbewegtes Substantiv zur einer kontinuierlichen Tätigkeit macht, um zu sagen: “Stuss am laufenden Band”. Aus jiddisch שטותערײַ shtusseray haben also: Stusserei.
Anwendungsbeispiele:
(1) All diese Stusserei in der Welt geht mir gehörig auf den Wecker.
(2) Lass doch mal diese Stusserei und leb anständig.
Meschuggenerweise
Alle kennen meschugge. Woher kommt’s? Auch ursprünglich hebräisch, und zwar vom Worte משוגע mešuga “verrückt”, welches auf Jiddisch gleich geschrieben und wie “meschugge” ausgesprochen wird. Nun wird dem Worte noch ein Endung zugefügt: ערווײַז -erwayz, die es auch auf deutsch gibt (-erweise) und die aus dem Adjektiv ein Adverb macht. Aus jiddisch משוגענערווײַז meshugenervayz ergibt sich also deutsch: meschuggenerweise.
Anwendungsbeispiele:
(1) Es gibt meschuggenerweise immer noch Krieg in der Welt.
(2) Um den Passierschein A38 zu erhalten, mussten wir meschuggenerweise zehn Mal zum 13. Stock des Rathauses und wieder herunter.
Was für eine Stusserei!
